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Sie haben Post

Bei meinen ersten Schritten im Internet Ende der 90er Jahre waren es diese drei Worte, die eine wohlige Aufregung in mir aufkommen ließen. Ob mir wohl jemand geschrieben hat? Eine Email zu bekommen war damals noch etwas ganz Besonderes. Generell Post zu bekommen war schon immer ein spezieller Moment für mich und ist es bis heute. Damit meine ich nicht die vielen Spam-Mails oder Werbeflyer, die man ständig in seinem virtuellen oder auch physischen Briefkasten hat. Ich meine richtige Post. Wann habt Ihr das letzte Mal einen handgeschriebenen Brief bekommen? Oder auch selbst geschrieben?

Mit einem Artikel in einer Zeitschrift über den handgeschriebenen Brief fing bei mir alles an. Aus diesem Artikel ist die Idee zu diesem Blog hier entstanden (Zurück zum Ich).

Aber auch eine elektronische Post kann diesen Moment der Freude und Vorfreude auslösen, wenn es sich um einen richtigen Brief handelt. Wie schnell sind heutzutage Kurznachrichten ausgetauscht. Ja sicher, es geht schnell und hilft, am Leben anderer teilzuhaben, auch wenn mal keine Zeit für ein Treffen oder ein Telefonat ist.

Aber ein richtiger Brief ob nun auf Papier oder als Email hat da doch ganz andere Qualitäten. Und vor allem Seltenheitswert. Genau deshalb ist es ein besonderer Moment, „richtige“ Post zu bekommen.

Es ist ein besonderer Moment, „richtige“ Post zu bekommen.

Es fängt schon beim Empfangen an. Holt man den Briefumschlag aus dem Briefkasten wundert man sich zunächst und fragt sich, wer schreibt mir denn da? Bei einer Email ist keine Zeit für diese Vorfreude. Das Emailprogramm verrät gleich, wer der Absender ist. Auch mit dem Inhalt ist die elektronische der Papierpost der Vorfreude zuvorgekommen, denn der Betreff wird gleich mitgeliefert. Die Frage „Ui, was wird Max Mustermann wohl von mir wollen?“ stellt sich bei einer Email in der Regel bei einem aussagekräftigen Betreff nicht.

Aber einen ausgewachsenen Brief zu bekommen, nicht bloß eine Kurznachricht im Telegrammstil, tut uns gut. Es bedeutet, dass sich jemand Zeit genommen hat, um mit uns in Kontakt zu treten. Jemand teilt sein Leben mit uns, nicht bloß einen Post in den sozialen Medien a la „Stehe gerade im Supermarkt in der Schlange. *nerv*“
Es geht um die Qualität der Teilhabe. Außerdem ist ein Brief etwas Exklusives. Der Inhalt ist nur für den Empfänger bestimmt, nicht für die ganze Welt (die vermutlich sowieso wenig Interesse an der Supermarkt-Erfahrung hat).

Briefe schenken – je nach Inhalt natürlich – Glückmomente. Das merken wir besonders zur nahenden Weihnachtszeit. Natürlich freuen wir uns über eine witzige animierte Online-Grußkarte oder tanzende Schneemänner, die kettenbriefartig via Whatsapp verschickt werden. Wieviel mehr aber freuen wir uns, wenn wir aus dem Briefkasten eine handgeschriebene Weihnachtskarte fischen oder wenn es eben nicht die standardisierte elektronische Grußkarte ist, sondern eine personalisierte Email von der Freundin, die wir lange nicht gesehen haben, weil sie so weit weg wohnt und die vielleicht noch ein paar Bilder vom frisch geschlüpften Nachwuchs in den Anhang gepackt hat.

Ein lieber Brief ist manchmal mehr wert, als ein teures Geschenk.

Eine ganz besondere Briefform, die heutzutage eigentlich ausgestorben ist, ist die Flaschenpost. Es gibt sie quasi nur noch in Büchern oder Filmen.
Dabe bringt die Flaschenpost alle aufregenden Fragen auf einmal mit und sogar noch eine mehr. Neben „Wer da wohl schreibt?“ und „Um was es wohl geht?“ stellt sich auch noch die absolut ungewöhnliche Frage „An wen die Nachricht wohl gerichtet ist?“
Manch eine Flaschenpost ist gar nicht dazu gedacht gewesen, jemanden zu erreichen. Der Absender wollte sich womöglich einfach nur mal etwas von der Seele schreiben. Eine andere Flaschenpost war – zumindest den Legenden nach in viel viel früheren Zeiten – vielleicht ein Hilferuf von einem, der wie Tom Hanks auf einer einsamen Insel gestrandet ist…
Ihr seht, der Fantasie sind bei einer Flaschenpost keine Grenzen gesetzt.

Die magischste Form der Post ist für mich die Flaschenpost.

Die Geschichte um eine Flaschenpost hat immer etwas Geheimnisvolles. Und genau dies ist der Grund, warum ich angefangen habe, hin und wieder eine Flaschenpost zu verschicken.

Vor etwa zwei Monaten habe ich eine Flasche auf die Reise geschickt. Ich habe sie mit einem Gefühl gefüllt und sie ins Meer geworfen. Das Gefühl, das ich ihr ins Gepäck gelegt habe war:

Das Watt unter den Füßen spüren und den Wind um die Nase wehen lassen.

Es ist keine Flaschenpost, die an Niemanden gerichtet war, sondern an alle. Ich habe gehofft, dass sie gefunden wird und der Finder ebenfalls ein Gefühl oder eine Erinnerung mit hinein packt und sie erneut auf die Reise schickt.

Und genau das ist passiert. Die Flaschenpost wurde gefunden. Beim letzten Mal stand sie ganz überraschend auf einem Geburtstagstisch. Der Beschenkte hat die Flaschenpost erneut „gefüttert“ und sie weitergeschickt. Der Weg, den sie nun nimmt, gefällt mir ganz Besonders, denn er ist ungewöhnlich. Die Flaschenpost steht nun in einem Bücherhaus. Das ist eine Holzhütte, die öffentlich zugänglich ist, und wo Menschen Ihre ausgelesenen Bücher hinstellen, damit andere sie nehmen und lesen können. Vielen ist das Prinzip auch als Bücherschank bekannt.

In dieser kleinen roten Hütte steht sie nun zwischen all den Geschichten und wartet darauf, dass ihre eigene Geschickte weiter geht…

 

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4 Kommentare zu „Sie haben Post

  1. Finde ich klasse mit der Flaschenpost! Sollte ich auch mal machen 😀 Ich liebe liebe liebe analoge Post und freue mich ganz besonders wenn ich Postkarten oder gar Briefe aus dem Briefkasten fischen darf 🙂 Wie du schreibst… es steckt viel Zeit und Liebe drin und das ist unbezahlbar. LG, Feraye

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    1. Genau.
      Wobei ich mich über die Email mit der Nachricht, wo die Flaschenpost gerade ist, auch unglaublich gefreut habe. Ich weiß allerdings gar nicht, wann ich das letzte Mal eine analoge Post bekommen habe… Vermutlich letztes Jahr Weihnachten. 😉 und gerade gestern habe ich seit langem mal wieder einen Brief mit der Hand geschrieben.

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